Zum Inhalt springen



8. August 2008

01 „Lage-Bericht“ oder where to live im Landkreis Böblingen?

Das Mantra der Immobilienbranche lautet: „Lage – Lage – Lage“. Sie ist das alles entscheidende Kriterium beim Immobilienkauf. Ein Außenstehender bzw. Ortsfremder hat also ein Problem, wenn er sich im Kreis Böblingen auf die Suche nach einer Wohnimmobilie macht. Woher soll er die einzelnen Lagen kennen, deren Stärken und Schwächen letztendlich über sein Woh(l)nbefinden und die Werthaltigkeit des Eigentums entscheiden. Deshalb werde ich in lockerer Reihenfolge unter der Rubrik „Lage-Bericht“ ganz unterschiedliche Lagen im Landkreis beschreiben. Ich habe mir vorgenommen, neben den dörflich geprägten Gemeinden im Hinterland auch einzelne Stadtviertel bzw. Wohnquartiere in den Stadtgebieten Böblingen und Sindelfingen zu beschreiben. Das wird allerdings nicht ganz ohne subjektive Einflüsse von statten gehen: immerhin wohne ich hier schon über vier Jahrzehnte und haben gewisse Vorurteile über manche Quartiere. Da gibt es z. B. im Böblingen ein Wohngebiet namens „Grund“, früher als Kind hieß es auch „Steinung“. Da wohnten in meiner Kindheit Menschen mit problematischem sozialen Hintergrund und deren Kinder waren bei Rauferein nicht sonderlich zimperlich-  während wir mit offenen Händen zugeschlagen haben, ließen die die Faust schon mal zu…Heute hat sich das Quartier natürlich zu seinen Vorteilen entwickelt, die Gagfah bzw. Real Estate www.real-estate-stuttgart.de verkauft dort nette 3- und 4-Zimmer-Wohnungen in vierstöckigen Wohnblocks aus den 60er Jahren – ziemlich quartatisch, ziemlich praktisch, relativ gut. Allerdings stimt der Preis, der ist für Böblinger Verhältnisse wirklich gut.  Ich würde da dennoch nie hinziehen und wenn, dann würde mich meine Frau verlassen (sie ist auch in Böblingen aufgewachsen und für sie ist der „Grund“ das Letzte). Auf der anderen Seite stimmt hier eigentlich alles, das Quartier ist ruhig, ist gut an die Innenstadt angebunden, es gibt Schulen, Kindergarten, Gemeindezentren, Spielplätze und viel Grün (damals haben die Stadtplaner jede Menge Abstand zwischen den Häusern gelassen, heute würde das viel verdichteter bebaut). Sogar eine eigene Haltestelle für die „Schönbuchbahn“ hat das Viertel. Ich werde aber versuchen, bei den Beschreibungen möglichst objektiv zu sein, ohne dabei unkritisch zu werden.

 

Heute soll der Anfang mit Deckenpfronn gemacht werden: meine Lieblingsdorfgemeinde über den Dächern von Herrenberg mit Blick auf den Nordschwarzwald. Ist eher was für die „Raus-aufs-Land“-Fraktion. Die allerdings kommt in http://www.deckenpfronn.de voll auf ihre Kosten. Hier geht’s noch so richtig nett zu, man kennt sich eben, kann beim Bauern oder im Tennental einkaufen und in der Dorfkneipe gibt’s einen klasse selbstgebrannten Obstler zu kaufen. Hier ein Artikel, den ich über Deckenpfronn geschrieben habe und der eigentlich relativ viel über das Dorf und dessen Wohnqualität aussagt.

 

Leben im Dorf am Beispiel von Deckenpfronn
 
„Die Menschen lieben die Atmosphäre“
 
Nicht jedem ist der neue Trend „Zurück in die Stadt“ geheuer. Familien mit Kindern suchen auf dem Land Freiräume, Gemeinwesen und Sicherheit, die ihnen ein urbanes Lebensumfeld nicht gewährt. Doch viele Dörfer bieten heute ein tristes Bild: Leerstehende Häuser und unbebaute Grundstücke im Ortskern stehen in Kontrast zu ausufernden Neubaugebieten am Ortsrand. Doch es geht auch anders, wie das Beispiel Deckenpfronn zeigt.
 
Fluch und Segen liegen oft nahe beieinander. Die im August 2004 eröffnete Ortsumfahrung verkehrsberuhigte zwar den Deckenpfronner Ortskern, sie legt ihn aber gewissermaßen trocken. Bürgermeister Winfried Kuppler erläutert die Entwicklung: „Nach der Eröffnung der Ortsumfahrung wurde unser innerörtlicher Markt sehr geschwächt.“ Doch die kleine Gemeinde drückt der Schuh auch an anderer Stelle. Nur noch 17 Neudeckenpfronner wurden in 2005 geboren. „Der Überalterung müssen wir Einhalt gebieten, damit wir unsere Infrastruktur erhalten können“, so Winfried Kuppler. Der Bürgermeister setzt bei der Lösung des Problems auf drei Dinge: auf eine Deckenpfronner Besonderheit, auf privatwirtschaftliches Engagement und auf ein kleines Neubaugebiet.
 
Nach dem großen Brand im April 1945, der 2/3 des Ortskernes zerstörte, erhielten die Höfe Flächen zwischen 10 und 15 Ar zugewiesen. Dadurch stehen heute große Flächen für die innerörtliche Bebauung zur Verfügung. Hier setzt die Gemeinde auf privates Engagement. Im dem Nebringer Unternehmer Klaus Bross hat die Gemeinde einen guten Partner gefunden. Ein gutes Beispiel der Kooperation ist der Neubau an der Gärtringer Straße 6. Gerne hätte der Bürgermeister den Dorfladen vom Tennenhof in die Ortsmitte geholt, Bauernstände, Metzger und Bäcker unter einem Dach vereint. Doch die Idee von einer kleinen Markthalle wurde nicht Realität. Herausgekommen ist ein ansehnliches Wohn- und Geschäftshaus, dessen Neubewohner ihren Teil zur Belebung der Ortsmitte beitragen werden. Gebaut wird es von Klaus Bross, der auch das wirtschaftliche Risiko trägt. „Die Gemeinde kann lediglich durch Kauf innerörtliche Flächen sichern und eine Umgestaltung lenken“, so der Bürgermeister. So könne die Entwicklung in die gewünschte Richtung gelenkt werden. Darin, so Kuppler, sehe er seinen öffentlichen Auftrag.
 
Ganz ohne Baugebiet geht es dennoch nicht
 
Die innerörtlichen Nachverdichtungs-möglichkeiten reichen jedoch nicht aus, um langfristig der demographischen Entwicklung entgegen zu steuern und die Infrastruktur zu erhalten. „Die Standortsicherung ist nur möglich, wenn wir mehr Einwohner bekommen“, lautet das strategische Ziel des Rathauschefs. Daher setzt die Gemeinde auch auf ein kleines Neubaugebiet. Die Ortsumfahrung umschließt im Nordosten des Dorfes die „Lüsse“. Das 15 Hektar große Gelände wird mit Augenmaß erschlossen. Kuppler spricht von 20 bis 30 Jahren, bis nach verschiedenen Bauabschnitten die „Lüsse“ voll bebaut sind. Die Häuser im Neubaugebiet werden alle zum Ortskern hin ausgerichtet. „Damit möchten wir auch baulich den Neubewohnern die Orientierung hin zum Ortskern vorgeben“, erklärt der Bürgermeister die Planungen. Angezogen werden vor allem junge Familien. Sie entwickeln gute Bindungsfähigkeit an das  Gemeinwesen im Dorf. Für die Sicherheit und Verlässlichkeit hier oben am Rande des Schwarzwaldes nehmen sie gerne eine gewisse dörfliche Enge und längere Fahrten zur Arbeit in Kauf. Das weiß auch Winfried Kuppler: „Viele Neubürger sind schnell in der Atmosphäre zu Hause, die bei uns in Deckenpfronn herrscht.“

 

Der erwähnte große Brand ist eine üble Geschichte: am Ende des WK II war das in der Nähe liegende Calw schon von den Franzosen besetzt. Die wiederum haben zwei Verhandlungspartner ins Dorf geschickt. Anstatt nun die beiden Franzmänner mit dem o. g. Obstler und einem deftigen Vesper zu versorgen, wurden sie vom Oberkommandierenden NS-Deppen verhaftet und eingesperrt. Mit fatalen Folgen für das Dorf. Nachdem das Ultimatum abgelaufen war und die beiden Emmisäre nicht nach Calw zurückgekehrt waren wurde das Städtchen mit Bomben eingedeckt. Blöderweise kam der Wind an diesem Tag aus Osten so dass das halbe Örtchen den Flammen zum Opfer fiel…