Das Pressegespräch bei der Kreissparkasse Böblingen war interessant, doch echte Neuigkeiten blieben aus. Das Immobiliengeschäft der KSK zeigt sich (noch) unbeeindruckt von der Krise (alle Zahlen gelten bis November 2008):
Es wurden Darlehen in Höhe von 77 Millionen Euro für wohnwirtschaftliche Bauvorhaben gewährt. Die Bank vermittelte insgesamt 260 Immobilien – allerdings sank der Anteil der gewerblichen von 75 auf 59. Werden die gewerblichen Flächen als Frühindikator interpretiert, zeigt die Konjunktur also erste Dellen - zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der Immo-Konjunkturindex der BulwienGesa AG Der Index ist auf Talfahrt, bedingt durch ein niedriges Investitionsklima sowie den schwachen Gewerbe-, Büro- und Einzelhandelssektor. Bei den Wohnimmobilien sehen weder der BulwienGesa-Index noch die KSK Risiken. Die Immobilienabteilung der Böblinger legte sogar noch um 8 vermitteltet Wohnimmobilien zu und makelte im Verlauf von 2008 über 200 wohnwirtschaftliche Einheiten – das sind 15 Prozent mehr als in 2007. Waten wir mal das 1. Quartal 2009 ab…
Genehmigt wurden im Landkreis Böblignen 688 Wohngebäude mit 1.338 Wohnungen. Zuwenig angesichts der vielen jungen und alten Alleinstehenden, dem Drang nach immer größeren Wohnflächen sowie der noch anhaltenden Zuwanderung. Die Kreisparkasse zog die unten erwähnte GEWOS-Studie aus dem Hut und übernahm deren Titel: Der Kreis Böblingen kann als ein Markt mit Zukunft beschrieben werden, er bleibt nach wie vor wirtschaftstark und somit erste Adresse.
Bestand – Große Wohnungen gefragt
Nach wie vor gefragt sind große preiswerte Wohnungen, deren Angebot allerdings sehr eingeschränkt ist. Wo soll es sie auch geben? Höchstens in den Hochhaussiedlungen aus den 60er und 70er Jahren gibt es niedrige Quadratmeterpreise. Dafür treiben hier die Nebenkosten den Käufern die Tränen in die Augen. Die Preise der Gebrauchtimmobilien liegen für
- den Quadratmeter Wohnung je nach Baujahr und Ausstattung zwischen 1.300 und 1.800 Euro
- Reihenhäuser zwischen 200.000 und 250.000 Euro
- Doppelhäuser zwischen 220.000 und 280.000 Euro und
- Einfamilienhäuser zwischen 280.000 und 400.000 Euro.
Je weiter der Käufer in den Süden des Landkreises kommt, desto niedriger werden die Preise. Für ganze alte Häuser, die einen großen Sanierungsbedarf haben, erwarten die Experten der KSK in 2009 einen Preisdruck.
Neubau ist Mau
Bescheiden sind die Umsätze beim Neubau. Die KSK hat zwar doppelt so viele neue Wohnungen und Häuser wie 2007 vermittelt. Das sind allerdings nur ganze 31 Objekte. Als Gründe wurden genannt: die Eigenheimzulage – wie bitte? Das Theme der unsozialen Subventionen sollte doch längst im Tal der Tränen liegen. Na seis drum, jetzt darf ja gewohnriestert werden… Die gestiegenen Rohstoff- und Baupreise wurden auch zitiert. Dass aber die meisten kleinen und mittleren Bauträger ihre Häuser in den Zwischenzeit selbst und sehr effektiv an den Käufer bringen, wurde nicht gesagt - die leicht verbeamteten Sparkassen-Strukturen sind in Zeiten, in denen es recht schwer ist, Neubauten zu verkaufen, vermutlich nicht hilfreich. Als Durchschnittspreise für den Landkreis Böblingen haben die Immo-Fachleute der KSK folgende Werte ermittelt
- Für den Qudratmeter Neubauwohnung muss im Schnitt 2.200 Euro kalkuliert werden
- Neue Reihenhäuser kosten zwischen 230.000 und 310.000 Euro
- Eine neue DHH belastet das Budget mit 300.000 bis 400.000 Euro
Es ist zu erkennen, dass die Preise sehr heterogen sind. Es gibt zum Beispiel auch Neubauwohnungen, die nur 1.800 Euro/ Quadratmeter kosten! Das ist der Spiegel, der uns vorgehalten wird: die Schere öffnet sich weiter, die Käufer teilen sich in ein “kostenbewusstes Segement”. Diese Käufer wollen unbedingt Wohneigentum, da sie aber wenig Geld zur Verfügung haben, sind sie in der Regel bei der Wahl der Lage und der Ausstattung nicht wählerisch. Ob Flugfeld oder Grünäcker ist ihnen gleich, ob Multi-Split-Level oder Grundrisse wie 1970 ist ihnen ebenfalls völlig wurst, wenn der Preis stimmt. Die zweite Käufergruppe rekrutiert sich aus dem Mitgliedern der DINKs – double income, no kids” und den gut ausgebildeten und verdienenden LOHAS-Jüngern – so das Akronym für die Anhänger des lifestyle of health an sustanability – der Lebenstil auf Basis von Gesundheit und Nachhaltigkeit. Das sind Käufer, die für Qualität und ein umweltschondendes Energiekonzept gerne etwas mehr Geld ausgeben. Die Mittelschicht -bei uns ist das der schichtende Daimlerarbeiter mit Frau (die auf 400 Euro Basis noch etwas dazuverdient) und zwei Kindern – fällt als Käufer weitgehend aus. Das waren die bisherigen Erwerber des kleinen Reihenhauses in den perifären Neubaugebieten. Diese Käufergruppe hält sich im Moment zurück. Sie bleibt entweder in Miete oder kauft sich eine preiswerte große Wohnung – wenn sie diese denn findet.

himbeerrot
Hallo, das ist ein Testkommentar.
Holger
#1 Kommentar vom 19. Dezember 2008 um 18:22
Matthias Hoffmann
@holger
Hallo Holger,
Kommentare funktionieren – herzlichen Dank und alles Gute.
#2 Kommentar vom 23. Dezember 2008 um 15:45